die Hoffnung

Schritt 2

Was Gott zugesagt hat

Gott hat sich in der Bibel mehrfach gebunden. Nicht mit einer Absichtserklärung, sondern förmlich, mit Zeugen und in einer Sprache, die man im Alten Orient von Verträgen kannte.

Entscheidend ist eine einzige Unterscheidung: Bei den meisten dieser Zusagen hängt die Erfüllung an keiner Gegenleistung. Sie ruht allein darauf, dass Gott hält, was er gesagt hat.

Noch ist Nacht. Der Morgenstern leuchtet schon — bis der Tag anbricht. Offenbarung 22,16; 2. Petrus 1,19 Noch ist es nicht Tag. Aber das Licht ist schon da. Maleachi 3,20 Einmal wird die Sonne nicht mehr das Licht sein, das gebraucht wird. Jesaja 60,19 Bleibe bei uns, denn es will Abend werden. Lukas 24,29

Vier Zusagen

Drei davon sind ohne Bedingung. Eine ist ausdrücklich an eine Bedingung geknüpft — und gerade dieser Unterschied trägt alles Weitere.

  1. An Abraham: Land, Nachkommen, Segen

    Gott sagt Abraham ein bestimmtes Gebiet zu, unzählbare Nachkommen und Segen für alle Völker der Erde. Beim Abschluss geschieht etwas Ungewöhnliches: Bei einem Vertrag dieser Art gingen beide Seiten zwischen den geteilten Opfertieren hindurch. Hier geht Gott allein hindurch, während Abraham schläft. Wer allein durchgeht, bindet allein sich selbst. 1. Mose 15,12–21
  2. An David: ein Thron, der bleibt

    Gott sagt David eine Königsherrschaft zu, die nicht endet. Der Text nimmt den Fall vorweg, dass Davids Nachkommen versagen — und hält die Zusage ausdrücklich auch dann aufrecht. Sie kann also nicht daran scheitern, dass Menschen scheitern. 2. Samuel 7,12–16; Psalm 89,31–38
  3. Der neue Bund: Vergebung und ein neues Inneres

    Gott kündigt an, Schuld zu vergeben und sein Gesetz nicht mehr auf Tafeln, sondern in die Herzen zu schreiben. Geschlossen wird dieser Bund ausdrücklich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda. Das Neue Testament nimmt ihn wörtlich auf. Jeremia 31,31–34; Hebräer 8,8–12
  4. Am Sinai: der Bund mit Bedingung

    Dieser eine ist anders gebaut. Er beginnt mit «wenn ihr auf meine Stimme hört». Er regelt, ob eine Generation im Land in Ruhe lebt oder ob sie es verliert. Was er nicht regelt, ist die Frage, wem das Land zugesagt bleibt. 2. Mose 19,5–6; 5. Mose 28

Ein Vertrag ohne Bedingung kann nicht dadurch verfallen, dass die andere Seite versagt.

Besitzen und bewohnen

Diese beiden Dinge werden im Alltag oft verwechselt, in der Bibel aber getrennt gehalten.

Dass ein Land jemandem gehört, ist das eine. Ob eine bestimmte Generation darin wohnen und es geniessen kann, ist das andere. Das Erste sagt Gott ohne Bedingung zu. Das Zweite hat er am Sinai an Bedingungen geknüpft.

Deshalb ist es kein Widerspruch, dass Israel mehrfach aus dem Land vertrieben wurde und die Zusage trotzdem stehen bleibt. Wer seine Wohnung verliert, verliert nicht den Eigentumstitel.

Und deshalb steht die eigentliche Frage nicht bei Israel, sondern bei Gott: Hat er sein Wort zurückgenommen oder nicht?

Zwei weitere Zusagen

Beide sind ohne Bedingung. Die zweite gehört sachlich sogar in die Kette oben — sie sichert dieselbe Landzusage noch einmal ab, für den Fall des Scheiterns.

Nach der Flut sagt Gott der ganzen Erde zu, ihre Ordnungen zu erhalten — Tag und Nacht, Saat und Ernte. Ohne Bedingung, und ausdrücklich auch den Tieren gegenüber.

1. Mose 9,8–17

Vor dem Einzug ins Land nimmt Gott die spätere Zerstreuung vorweg und sagt schon dort zu, sein Volk zurückzubringen. Die Zusage steht also nicht trotz des Scheiterns, sondern mit dem Scheitern bereits im Blick.

5. Mose 30,1–10

Was daraus folgt

Wenn die Zusage an David einen wirklichen Thron meint, dann steht ihre Einlösung noch aus. Christus sitzt nach dem Neuen Testament gegenwärtig zur Rechten des Vaters — auf dessen Thron, nicht auf dem Davids in Jerusalem.

Offenbarung 3,21; Hebräer 1,3

Man kann das anders lesen. Man kann sagen, der Thron sei ein Bild und längst eingelöst. Dann ist allerdings zu erklären, warum derselbe Text an anderer Stelle sehr konkret wird — mit Ortsangaben, Grenzen und Namen.

Wer bei der einfachen Lesart bleibt, kommt zu dem Schluss: Es fehlt noch etwas. Und was fehlt, ist keine Stimmung, sondern eine Herrschaft an einem Ort.

Warum Christen an dieser Stelle auseinandergehen und wie es dazu kam, steht in Schritt 3.

Im Überblick

Sechs Zusagen, fünf davon ohne jede Bedingung.
Zusage An wen Bedingung Hauptstelle
An Abraham Abraham und seine Nachkommen, Segen für alle Völker keine 1. Mose 15,18–21
An David Davids Haus keine 2. Samuel 7,12–16
Neuer Bund Haus Israel und Haus Juda keine Jeremia 31,31–34
Am Sinai das Volk Israel ja — «wenn ihr hört» 5. Mose 28
Nach der Flut die ganze Erde, Menschen und Tiere keine 1. Mose 9,8–17
Vor dem Einzug das Volk Israel keine 5. Mose 30,1–10

Warum das nicht nur Geschichte ist

Wenn Gott eine Zusage zurücknehmen könnte, sobald der Empfänger versagt, dann hinge auch jede Zusage an dich an deiner eigenen Beständigkeit. Genau das ist der Punkt, an dem diese alten Verträge aufhören, ein Thema für Fachleute zu sein.

Der Anfang davon ist keine Leistung, sondern eine Nachricht.

Die gute Nachricht

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